Waschmaschine


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Einleitung
Der Motor
Die Platine der Steuerung
Reset-Schaltung und Watchdog
Zwei Druckdosen
Temperaturfühler
Magnetventile
Frontblende mit Bedienknöpfen
Was noch zu tun ist
Kleinhirn
Mobilmachung
Neuer Anlauf
Unwuchtmessung
Erste Versuche zum Auswuchten
Wasser marsch!
Kleinhirn an Großhirn


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Einleitung

Alles begann ganz harmlos und ist hier (klick mich) beschrieben.  

  Nachdem also meine Waschmaschine bei einem Reparaturversuch aus bisher unbekannter Ursache den Deckel von 3 Transistoren abgesprengt hat, ist die Steuerung mausetot. Der Rest könnte aber noch zu brauchen sein.  

  Da inzwischen eine nagelneue Maschine für saubere Kleidung sorgt, kann ich in Ruhe an der alten rumbasteln.  

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  Ich weiß wohl, dass das ein größeres Projekt werden wird,  

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aber das schreckt mich natürlich nicht.  

  Das Ziel ist: der alten Maschine ein neues Hirn einpflanzen und sie wieder zum Leben erwecken.
Wieso kommt mir die Geschichte so bekannt vor?  

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  Eine Maschinenleiche habe ich bereits - fehlt ein frisches Gehirn. Dazu muss ich also eine eigene Steuerung entwerfen. Teile der alten Platine sind bestimmt noch brauchbar, nur der Mikroprozessor und ein paar Kleinteile dürften hinüber sein.  

  Nachdem ich rund eine Woche in der Maschine rumgemessen habe und unzählige Stunden Leiterbahnen mit der Lupe verfolgt habe, kenne ich den Aufbau der Maschine halbwegs und weiß in etwa, was alles noch funktioniert.  

  Es ist erstaunlich viel heil geblieben.  

   

Der Motor

Den Motor habe ich an einen Stelltrafo angeschlossen und die Pulsgeber-Elektronik, mit der sich die Drehgeschwindigkeit messen lässt, auf einem Steckbrett nachgebaut.  

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Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen - und der Pulsgeber scheint zu funktionieren. Schwein gehabt!  

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Selbst bei langsamer Drehung kommen schon ziemlich viele Pulse pro Umdrehung.  

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Geht man mit der Drehzahl weiter runter, sehen die Pulse bei weniger als 50Hz nicht mehr sauber aus:  

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Von Hand abgezählt: Wenn die Trommel 3 Umdrehungen macht, dreht sich der Motor 31 mal. Also eine Untersetzung 10,33 : 1. Das heißt, dass der Motor beim Schleudern für 1450 1/min auf 15000 Touren kommen muss. Wow, da kommen die Pulse also mit ein paar KHz angeflogen!  

   

Die Platine der Steuerung

 

  Da der Prozessor hin ist, fliegt er raus. Da ist Mr. Dremel gefragt:  

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Wo der Schleifer nicht drankommt, muss der Fräser ran:  

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Bleibt ein Haufen Drahtreste, die einzeln entlötet werden können.  

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Nach und nach habe ich die Platine analysiert und von einzelnen Funktionen Schaltpläne erstellt. Vieles ist allerdings noch unklar...  

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Nur Mut: Einfach mal den Stelltrafo an den 230V-Eingang angeschlossen und die +5V nachgemessen. Astrein:schon bei 80V Eingangsspannung stehen stabile 5V an. Das Schaltnetzteil funktioniert also. Aber die 12V kommen bei den Relais nicht mehr an. Auch die Leitungsführung war sehr merkwürdig. Der Durchgangspiepser piepste viel zu selten - Leiterbahnen verschwanden unter Bauteilen und schienen im Nichts zu Enden.  

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Da das nicht der Originalzustand sein konnte, musste es wohl kürzlich entstandene Unterbrechungen geben.  

  Gab's auch. So sieht eine durchgeknallte Durchkontaktierung aus:  

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Das ist ein Fall für Skalpell No. 11!  

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Damit kann man prima die Niete von innen sauber schaben und den Lack von der Leiterbahn kratzen, um dann einen Draht durchzulöten. Jetzt gehen die 12V auch bis zu den Relais.  

   


 

   

Reset-Schaltung und Watchdog

Diese Schaltung habe ich aus der Platine rausgelesen:  

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allerdings verstehe ich nicht, wie der Transistor QD1 jemals durchschalten soll, wenn er nur über R34 mit 1,8 Megaohm Strom kriegen kann. Aber andere Leiterbahnen habe ich nicht gefunden. Die beiden Platinenseiten habe ich abgelichtet und so bearbeitet, dass sie übereinander passen. Damit ihr selber mal nachsehen könnt, kann man sie hier herunterladen:
Watchdog + Reset Bestückungsseite und Lötseite
Oh, einen Fehler hab ich schon: R5 gehört auf die andere Seite von R33.  

  Ein helles Köpfchen in Finger's Forum hat den Denkfehler um 0:16 Uhr gefunden: Der Inverter gehört andersrum. Jau - dann macht die Schaltung plötzlich richtig viel Sinn!
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Zwei Druckdosen

Mit den Druckdosen wird der Wasserstand bestimmt, indem einfach Schläuche von der Dose unten in den Waschbottich führen. Das aufsteigende Wasser erhöht den Druck im Schlauch und in der Dose drückt eine Membran irgendwann auf einen Schalter.  

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Die braune Druckdose war schnell analysiert. Vorsichtiges in den Schlauch pusten und alle Kabel verfolgen gab dieses Bild:  

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Die Funktion ließ sich auch schnell erahnen: Wenn Wasserstand 1 erreicht ist, geht die Tür nicht mehr auf. Erst wenn Wasserstand 2 erreicht ist, kann die Heizung Saft kriegen (damit der Thermofühler und der Heizstab unter Wasser sind).  

  Die schwarze Dose hat schwarz-auf-schwarz die Beschriftung 5V 0V OUT:  

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Auf der Platine geht das OUT Signal über ein R-C-Glied und eine Schutzdiode an einen Timer/Counter-Eingang des Prozessors. Die Dose liefert Pulse, die von der Wasserstandshöhe abhängen. Also kann ich den Wasserstand stufenlos messen. Klingt eigentlich prima - nur muss ich das Ding erstmal kalibrieren und mir dann sinnvolle Wasserstandshöhen einfallen lassen.  

  Das Scope zeigt, dass es sich um eine Frequenzänderung handelt. Hier einmal bei Umgebungsdruck und einmal bis Anschlag reingeblasen :  

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Die Frequenz nimmt also mit steigendem Wasserstand ab.  

  Gut ist, dass man damit eine Schaumerkennung programmieren kann: Wenn beim Waschen der gemessene Wasserstand sinkt, ist der Waschbottich undicht, oder es hat sich eine Menge Schaum gebildet.  

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Wäre ja nett, wenn man damit ein Überschäumen verhindern kann.  

   

Temperaturfühler

 

  Der kriegt 5V und liegt über 'nen 2K2 Widerstand an Masse (zum Filtern ein paralleler Kondensator) . Die Spannung über dem Widerstand geht an einen Analogeingang des Prozessors. Im kalten Keller messe ich 8K über dem Fühler. Ich vermute einen Heißleiter, der bei 95 Grad auf unter 2K geht.  

   

Magnetventile

 

  Die Maschine hat 3 Magnetventile.  

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Da ich davon ausgehe, dass sie für das Einspülen des Waschmittels für Vorwäsche, Hauptwäsche und Weichspüler notwendig sind, werde ich die Zuordnung später mal herausbekommen. Die Ansteuerung erfolgt über Triacs - also sind es 230V Spulen und sie können eigentlich nicht kaputt sein.  

   

Frontblende mit Bedienknöpfen

 

  Das ist ein trauriges Kapitel: Zur Frontblende geht ein 3-poliges und ein 5-poliges Kabel. Ich gehe davon aus, dass damit eine serielle Schnittstelle gebaut wurde. Da ich das Übertragungsprotokoll nicht mehr belauschen kann, ist eine Analyse recht schwierig.  

  Also finde ich mich damit ab: Die Bedienung war sowieso nicht mein Geschmack, die mach ich komplett neu!  

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Irgendwas zwischen diesen beiden Extremen wird es wohl werden:  

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Was noch zu tun ist

 

  Diese Liste ist keinesfalls vollständig. Es ist lediglich so ein Merkzettel, an dem ich mich Langhangeln kann.  

  Demnächst versuche ich folgendes:  

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  * Rausfinden, ob die schwarze Druckdose Pulsweiten oder Frequenzänderungen macht.
     ERLEDIGT:Frequenzänderung, 44.48Hz leer, Frequenz sinkt um bis zu 10Hz bei steigendem Wasser)
  * Wie kommt der Mikroprozessor an die Nulldurchgänge der Netzspannung, damit der 
     die Phasenanschnittsteuerung für die Triacs machen kann?
     ERLEDIGT: geht über Spannungsteiler und Schmitt-Trigger auf Interrupt-Eingang (INT0)
  * Wie funktioniert die Türverriegelung und der Türschalter
    Drei Kabel gehen hin. Erste Vermutung: 2 an Verriegelung (Phase und Null),  eins als "Tür geschlossen" Rückmeldung.
    Das ist wohl falsch!
       Blaues Kabel: Saft, wenn Wasserpegel auf Niveau2.  
       Schwarz-Lila Kabel: an J7 (Triac Ausgang). 
       Graues Kabel an Drehschalter. Was macht es da?
       --Nich dazu gekommen, das nachzumessen. Dafür hat meine Tochter jetzt ein neu tapeziertes 
           Zimmer und läuft auf Laminat statt Teppich. Am längsten haben mal wieder die Fußleisten gedauert...
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Später muss ich dann noch klären:  

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  * Welchen Widerstandsverlauf hat der Thermofühler?
  * Welche Frequenz gehört zu welchem Wasserstand?
  * Welche Wasserstandshöhen nimmt die neue Maschine in den einzelnen Programmen?
  * Welches Magnetventil für welche Waschmittelkammer?
  * Welche Zeiten werden für die einzelnen Abläufe benutzt?
  * Unwuchterkennung durch Analyse des Geschwindigkeitsverlauf während einer Trommelumdrehung
  * Algorithmus zur Gewichts-Gleichverteilung bei Unwucht
  * Bedienpult gestalten
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Wenn die neue Maschine nicht 5 Jahre Garantie hätte, könnte ich sie ja glatt mal aufschrauben, nach ähnlichen Komponenten suchen und eine Menge über den Waschablauf rausmessen. Aber wenn ich das Teil dabei auch nur irgendwie beschädige oder gar außer Funktion setze, hängt der Haussegen schief!  

  Also bleibt sie zu - und ich analysiere alles durch das Bullauge.  

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  Ein großzügiger Bastler hat mir eine baugleiche Platine zukommen lassen. Die ist jedoch auf eine andere Maschine programmiert. Da ich bisher nicht rausgefunden habe, wie ich den Code zum Ändern des Maschinentyps eingeben kann, bleibt das Teil ein Ersatzteillager. Immerhin konnte ich damit feststellen, dass die Anzeige-Einheit noch funktioniert.  

 
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Kleinhirn

 

  Da mir noch nicht klar ist, wie die Maschine zu steuern ist, wird die Steuerung in zwei Teile aufgeteilt. Ein Mikrokontroller AT-Mega8 sitzt auf der Platine und ersetzt den bisherigen Prozessor. Leider hat der etwas wenig Anschlüsse. Das ist einerseits gut, weil er so mechanisch prima paßt. Andererseits kann er so nicht alles steuern.  

  Ich musste mich also auf das Wesentliche beschränken und z.B. die Bedienelemente einfach ignorieren. Weil immer noch 1 Leitung fehlte, wurde der Hardware-Watchdog einfach auf das TX-Signal der seriellen Schnittstelle geklemmt.  

  Die Aufgabe des kleinen Kerlchens ist nun, alle Messwerte zu erfassen und alle Ausgänge zu schalten. Allerdings trifft er keine Entscheidungen und kennt auch keine Abläufe. Er ist über eine serielle Schnittstelle mit dem eigentlichen Steuerrechner verbunden. Alle 100ms sendet er diesem die aktuelle Motordrehzahl und alle 500ms zusätzlich alle gemessenen Analogwerte. Außerdem lauscht er auf Kommandos, die zum Umschalten der Ausgänge dienen. Als Steuerrechner wird erstmal mein PC genommen. Wenn die Waschabläufe dann irgendwann mal funktionieren sollten, kann ich die immer noch in einem Mikrokontroller implantieren.  

  Hier die ersten Fotos vom Einbau des Kleinhirns :  

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Und weil's so schön ist, ein paar Details:  

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Wie man sieht (wenn man es darauf anlegt), ist die serielle Schnittstelle und der Quartz noch nicht angeschlossen. Aber vielleicht ist der eingebaute RC-Oszillator ja genau genug.  

  In Delphi5 hab ich dann mal schnell eine simple Bedienoberfläche zusammengestrickt:  

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Bisher läuft der Prozessor aber nur auf einer Testplatine, die in der Bedienoberfläche angezeigten Werte sind einfach das Rauschen der offenen Eingänge.
Warum sind da 2 Balken für die Analogwerte? Die Analogwerte werden sowohl im Nulldurchgang der Netzspannung gemessen (oberer Balken), als auch 5ms später im Scheitelpunkt(unterer Balken). Damit kann ich erkennen, ob eine Spannung rausgeht und ob eine Induktivität eine Spannung liefert, nachdem ich abgeschaltet habe.  

  Die Software zum runterladen: Bedienoberfläche mit Sourcen (268K) und die Software, die auf dem Mega8 läuft (26K).  

  Irgendwann kommt der Mega8 in die neue Fassung auf der Platine. Aber auf keinen Fall darf man die serielle Schnittstelle direkt an den PC anschließen, denn das Netzteil der Waschmaschine ist nicht galvanisch getrennt - die Masse des Prozessors könnte also auf 230V-Phase liegen!
Mit zwei Optokopplern, 'nem MAX232 und einem kleinen Netzteil wird das aber lösbar sein.  

   

Mobilmachung

Auf Wunsch einer einzelnen Dame ist die defekte Waschmaschine von der Waschküche in meine Werkstatt umgezogen. Prima, jetzt steht mir der Kasten andauernd im Weg! Und da Waschmaschinen leider nicht aus Styropor sind (sondern Betongewichte enthalten), lassen sie sich bei Bedarf auch nicht so einfach bei Seite heben.
Damit ich sie leichter umherschubsen kann, habe ich ihr einfach ein Fahrgestell verpaßt.  

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Bemerkenswert fand ich, dass im Baumarkt ein teppichbezogenes Brett mit 4 Lenkrollen und Umleimer nur die Hälfte kostet wie 4 Rollen allein.  

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Ich hab' nur noch keine Verwendung für das Teppichbrett...  

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Neuer Anlauf

Wir schreiben den 4.9.2009: Das gute Stück hat nun eineinhalb Jahre Staub schlucken müssen, bis ich mich überwinden konnte, das Gerät nochmal rauszukramen.  

[Bild(74.4k)] [Bild(87.4k)] [Bild(76.7k)]

Da muss ich wohl erstmal putzen, bis ich wieder Strom draufgeben darf.  

  Da das Programmieren des Chips so eine Qual ist und ich vermute, dass ich noch sehr viel probieren muss, habe ich alle Drähte abgelötet und nun eine steckbare Verbindung zu einer externen Controllerplatine geschaffen.  

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Als erstes kümmere ich mich mal um den Motor. Irgendwie muss man den doch geregelt zum laufen bringen!  

  Dazu habe ich einen simplen PID-Regler programmiert und zum bequemen einstellen des Reglers und der Sollgeschwindigkeit V einfach 4 Potis vorgesehen.  

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Rechnen tut das nun ein ATmega88 und eine verdrehsichere Programmierschnittstelle ist auch drauf:  

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Viele Prüfdrähte dienen zum Anschluss eines Scopes. Anders läßt sich hier schlecht debuggen.  

  Gelaufen ist das gar nicht. Kein Mucks. Irgendwann hab ich's gefunden: Die Tür muss erst verriegelt werden, sonst kriegt der Motor keinen Saft.  

  Das mit der Regelung hat nun mal gar nicht funktioniert.  

  Die Triacsteuerung hatte ich so gebaut: ein 4KHz-Timerinterrupt zählt den Zündwinkel bis 40 hoch. Stimmt er mit dem gewünschten Zeitpunkt überein, wird der Triac gezündet. Im Nulldurchgang wurde der Zähler zurückgesetzt.
Eine sichere Sache - oder?  

  Denkste! Die Maschine hat sich benommen wie ein junger Hengst und ich hatte ein wenig Angst um die Mechanik.
Was war los?  

  Aus Bequemlichkeit hatte ich alle Werte als Fließkommazahlen gerechnet. Die Aufrufe der 4KHz Task habe ich auf dem Scope sichtbar gemacht und folgendes gesehen:  

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Statt sauber alle 250 Mikrosekunden zu zählen, waren da dicke Lücken drin. Mist, die PID-Regler-Berechnungen erfolgten im Nulldurchgangsinterrupt und dauern halt recht lange. Da kommt der 4KHz IRQ nicht zwischen. Daher zündete der Triac dann irgendwann, was zum bocken der Maschine führte.  

  Also alles umgebaut und die IRQ-Routinen total ausgedünnt. Und alles auf Integer-Arithmetik umgestellt.  

  Ergebnis: besser, aber nicht gut.  

  Stundenlang rumgesucht und irgendwann festgestellt, das der Tacho manchmal Geisterimpulse liefert .  

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Dadurch habe ich falsche Istwerte, welche der P-Regler sofort an den Triac weitergibt.  

  Nach vielen vergeblichen Filterversuchen die Ursache gefunden: Überschwinger in der fallenden Flanke lösen den Interrupt aus. Lösung war einfach: 10nF gegen Masse an den Porteingang auf der Prozessorplatine und die Pulse kommen sauber! Teile von den Filtern und Plausibilitätstests ist dringeblieben - kann ja nicht schaden.
Gut, die 10nF hätten es auch in SMD getan, ich hatte aber nur einen mit 1000V Spannungsfestigkeit rumliegen.  

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Egal, Hauptsache, es geht!
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PID-Regler durch probieren eingestellt. Lausiges Ergebnis. Irgendwie schwingt das Teil oder die Mühle läuft total lahm an.  

  Maßnahme: Umstellung von 4MHz auf 16,384MHz und begrenzung des I-Reglers. Keine Verbesserung.  

  Vielleicht hilft Einstellung nach Lehrbuch?
Also Software für Sprungantwort programmiert. Mit HTerm die Istwerte aufgezeichnet und als Diagramm angezeigt.  

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Problem: bei langsamer Fahrt kommen noch keine Tachosignale. Daher ist weder die Tangentensteigung im Nullpunkt noch eine Wendetangente bestimmbar. Also ein paar Tangenten geraten. Ergebnis: Entweder Trommel ruckt beim Anfahren stark oder die Drehzahl wird nur sehr ungenau gehalten.  

  Vielleicht ist das alles zu ungenau.  

  Auflösung der Triaczündung vervierfacht und die gesamte Triacsteuerung über Hardwaretimer realisiert.
Ruckbegrenzung beim Anfahren und Anfahren in 2 Stufen eingebaut  

  Regelung arbeitet nun befriedigend.  

  Ich pfeif auf die Theorie und stelle P und I nochmal penibel nach Gefühl ein. Wie ich feststelle, muss der D-Anteil auf Null, sonst habe ich rappelnden Lauf.  

  Jetzt astreiner Anlauf der leeren Maschine!
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Erster Test mit trockener Wäsche. Läuft immer noch prima.  

  Erster Test mit pitschnasser Wäche (große Stücke). Motor läuft nicht an. Reglerausgabe war zu sehr begrenzt.  

  P Anteil etwas erhöht, Begrenzung des I-Reglers erweitert.  

  Die Maschine läuft nun voll Wäsche sauber an.  

  Mit leerer Trommel nur ein leichter Überschwinger.  

  Thema durch - das bleibt jetzt so!  

 
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Unwuchtmessung

Als nächstes kommt die Anlegephase als Schleudervorbereitung.
Dabei muss die Wäsche gleichmäßig an der Trommelwand verteilt werden, so dass die Unwucht minimal ist. Die Drehzahl muss dabei so hoch gewählt werden, das die Wäsche komplett anliegt.  

  Dazu wieder ein Probeaufbau:  

  Die Unwuchtmessung erfolgt durch Aufzeichnung der Pulsabstände für 3 Trommelumdrehungen. Ausgabe via RS232.  

  Alle 6 Sekunden wird der gerade eingestellte Stellwert des Reglers eingefroren und die nächsten 252 Tachopulse werden aufgezeichnet (gibt 3 Trommelumdrehungen). Unwucht läßt sich im Diagramm gut erkennen, aber Drehzahl läuft stark weg.  

  Regler bei Messung angelassen. Geht trotzdem prima - der kann die Unwucht nämlich nicht voll ausregeln.  

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Unten ist der Winkel der Trommel aufgezeichnet (3 Umdrehungen), oben sieht man die Periodendauer der Tachopulse und man erkennt, wie die Drehzahl schön sinusfürmig schwankt. Insgesamt sind 4 Messungen zu sehen, die zeitlich aber auseinander lagen und durch die grünen Linien getrennt sind.  

  Zum vergleich eine leere Trommel:  

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  Von Hand (am V-Poti drehend) versucht, nasse Wäsche auszuwuchten und dann hochzutouren.  

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Gar nicht so einfach. Das wird ein kniffliger Algorithmus, wenn der Controller das ohne hinzusehen allein machen muss.
Bei gleicher Unwucht wird die Schwankung im Messwert bei steigender Drehzahl geringer, obwohl die Unwucht sich stärker auf die Mechanik auswirkt.  

  Hm, das könnte langwierig werden!  

  Vielleicht setze ich mich mal vor die heile Maschine und schau ihr beim Schleudern zu...  

  Oder ich messe erstmal selbst. Also habe ich eine Statistikauswertung für eine Trommelumdrehung programmiert:
Min, Max,Mittelwert, Mittlere Abweichung vom Mittelwert und Standardabweichung werden berechnet und wieder via RS232 ausgegeben.  

  Hm, anhand der Werte erkennt man zwar die Unwucht, kriegt sie aber nicht so einfach weg.  

  Wie war das mit der Physik? Bei welcher Drehzahl klebt die Wäsche so grade an der Trommelwand?
a = (2*PI*f)² * r
a= Beschleunigung, die auf die Wäsche an der Trommelwand wirkt. Muss im Grenzfall gleich der Erdbeschleunigung sein
f= Umdrehungsfrequenz
r = Halber Trommeldurchmesser  

  f = wurzel(a/r)/(2*PI)  

  mit a= 9.81 m/s² r=0,455/2 = 0,2275m ergibt das f=1,05 1/s oder 62,7 1/min
Wenn ich die Trommel also mit 62 Touren laufen lasse, dürfte die Wäsche grade noch nicht an der Wand kleben.  

  Hm, mal andersrum: wenn ich später mit 1500 Touren schleuder dann wirkt (tipp-tipp-tipp) das 572-fache der Erdbeschleunigung auf die Wäsche. Wenn die 4Kg Wäsche also so verteilt sind, dass auf einer Seite 100g mehr liegen, wirkt auf die Trommel eine Unwucht mit der Kraft von rund 60Kg!  

  Wäre also besser, die Wäsche genauer zu verteilen. Die kleinste Einheit ist bei mir die Socke. Die Waage zeigt: 25g.
Und so eine einzelne Socke erzeugt dann eine Unwucht von immerhin 14,3 Kg. Und sockengenaues Auswuchten wird bestimmt schwierig, an Bettwäsche oder einen Bademantel mag ich gar nicht denken!  

  Ups - da habe ich mir ja was vorgenommen! Und den Stoßdämpfern steht eine harte Zeit bevor...  

 
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Erste Versuche zum Auswuchten

 

  Die Wäsche muss gleichmäßig an die Trommelwand angelegt werden. Wie oben berechnet brauche ich dafür mindestens 60 1/min. Also habe ich von Hand in der Nähe von 60 1/min rumgespielt und die Werte beobachtet.
Dann wurde folgender Anlegephase-Algorithmus gebaut und die Werte durch probieren ermittelt:  

  (1) auf 60 1/min gehen und bis zu 20s warten, bis Unwucht (Streuung)<=200 ist.
(2) Alle 3s die Drehzahl etwas erhöhen
(3) Sobald Unwucht <=200: hochtouren auf 100 1/min und weiter bei 5)
(4) Nach 30s vergeblichen rumeierns: Runtertouren auf 30 1/min, 15s nudeln lassen und von vorn beginnen
(5)auf 100 1/min: wenn nach einigen Sekunden die Streuung unter 60 ist, hochtouren auf 300 und dort 'ne Minute schleudern.
(6) Wenn nach 8s Unwucht immer noch zu groß, von vorn beginnen  

  Klappt manchmal.  

  Mal geht's richtig gut, mal springt die Maschine fast vom Sockel.  

  Hier zwei WM9-codierte Videos von Versuchen mit feuchter Wäsche bei bis zu 300 1/min. Im zweiten Versuch habe ich die Beleuchtung geändert, damit man die Trommelrückwand glänzen sieht.  

  Große Unwucht [2,8MB]  

  Kleine Unwucht [1,8MB]  

  Problematisch ist, wenn schwere Wäschestücke diagonal gegenüber liegen. Dann ist die via Drehzahl messbare Unwucht sehr gering, die Trommel eiert aber wie bekloppt! Wie soll ich da jemals auf 1500 Touren kommen?  

  Ich habe bisher keine Ahnung, wie ich das in den Griff kriegen kann.  

  Könnte also sein, dass erst mal wieder Staub fallen muss...  

 
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Wasser marsch!

Zum Testen brauche ich Frischwasser und Abwasser. Dazu musste die Installation in meiner Werkstatt um eine Wasserabzweigung erweitert werden.  

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Nun hat die Maschine einen Stammplatz vor meiner Spüle.  

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Kleinhirn an Großhirn

Nach dem Vorbild der Natur habe ich eine zweiten Prozessor spendiert. Dieser erfasst den Wasserstand und die Temperatur. Außerdem mißt er diverse Netzspannungen. Damit kann ich später vielleicht defekte Triacs erkennen.  

[Bild(67.0k)]

Die Platine hat nun am linken Rand einen kleiner Taster für die Pumpe.
Zum Testen der Wasserstände: Das Großhirn wurde rausgezogen und statt desssen stimuliert der dicke grüne Schalter direkt die offenen Nervenenden an der DIL-28 Fassung, um das Magnetventil für die Vorspülkammer anzuregen.  

   

  Da es in der Ecke vor der Spüle recht dunkel ist, habe ich mal provisorisch eine Lampe angebracht:  

[Bild(56.8k)] [Bild(38.7k)]

 

  Die Messwerte sendet das Kleinhirn über die serielle Schnittstelle an das Großhirn. Gut ist, dass ich die Datenübertragung mit dem PC belauschen kann. Schade ist, dass das Kleinhirn nur Binärdaten raushaut. Das macht die Auswertung ein wenig komplizierter, da ich die Hex-Werte von Hand decodieren muss:  

[Bild(82.3k)]

 

  Tagelang habe ich gegrübelt, wie ich die Temperatur kalibrieren soll. Ein Thermometer in die Trommel legen? Hm, mein Badethermometer geht nur bis 45°C. Auch ist das durch die geschlossenen Tür schlecht ablesbar.
Fädeldraht durch die Türdichtung mogeln und einen NTC dran?
Oh - und das Wasser müsste beim Erhitzen besser umgerührt werden!
Oder soll ich einfach nur am Trommelgehäuse messen?
Äh - und der Trenntrafo ist zu schwach für die Heizung. Dann muss ich aufpassen, wo ich anfasse!  

  Hm - Vielleicht kann man den Fühler ja rausschrauben. Hoffentlich kriege ich das Teil anschließend wieder dicht!  

[Bild(76.8k)]

 

  Was solls: Die Temperaturkalibrierung war dann viel einfacher als gedacht, da sich der Temperaturfühler durch kräftiges ziehen komplett ausbauen ließ:  

[Bild(69.9k)]


Plöpp!  

[Bild(59.5k)]

Nix geschraubtes - einfach ein Gummistopfen!  

  Der bekam dann ein heißes Bad in einer Kaffetasse - mit Magnetrührer und Glasthermometer. Soll ja ordentlich werden!  

[Bild(62.1k)]

Der Magnetrührer hängt an einer Kombination aus 12V-Akku und passendem Ladegerät, weil das grade greifbar war.  

[Bild(63.3k)]

Sportliches Waschmaschinenthermometerkalibrieren:
In der Hocke sitzen und das Thermometer anstarren, bis es um 1 Grad gefallen ist, dann aufspringen und die Hexzahl ablesen. Anfangs fiel die Temperatur ja recht schnell. Später habe ich unzählige mal das Thermometer checken müssen. Und so bei 40 Grad kam ich drauf, gelegentlich mit der Spritze kaltes Wasser zuzukippen. Zum Schluss brauchte ich noch etwas Eis, weil ich einfach nicht auf 15° runterkam.  

  Viele Kniebeugen später:
Im unteren Bereich sind die Werte recht linear, aber ab 55° knickt die Kurve ab.  

[Bild(19.1k)]

 

  So langsam habe ich alles zusammen, was ich an Messwerten brauche. Jetzt kann ich mich an die Ablaufsteuerung machen...  

 
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--- Wird (hoffentlich) fortgesetzt ---  

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